24. Juli 2024

Houston, wir haben ein Problem! III

[Vorlauf] Ich hatte zu meinen Eindrücken, wie sie aus der Berichterstattung über den bisherigen Wahlkampf und den Mordversuch gewonnen werden konnten, jüngst notiert: „Deutlicher kann man den Tiefstand dieser Männerkultur nicht demonstrieren.“

Da war eine sehr anschauliche Mischung aus Kompetenzmängeln und Abschätzigkeit, zu erleben, genauer: Verachtung. Ich halte das zugleich für Produkt und Rollenvorbild einer Herrschaftsform, deren Blutspur sich breit durch unsere Geschichte zieht. (Genau! Es hat viel mit Gewaltbereitschaft zu tun.)



Erst noch weichgespült, doch gleich wieder ganz der Alte.

Was uns da als „Debatte“ zugemutet wurde, hat Kriminalpsychologin Heidi Kastner in einem anderem Zusammenhang auf diesen Satz eingedampft: „Willst du diskutieren oder recht behalten?“ (Falls Ihnen das aus Ihrem Alltag bekannt vorkommt, ist das kein Zufall.)

In den letzten Tagen sind sehr markante Dinge geschehen. Ich finde es zum Schreien komisch, daß der 78jährige Donald „Grab 'em by the pussy“ Trump im Wahlkampf nun gegen die 59jährige Staatsanwältin Kamala Harris bestehen muß. (Nie schien mir diese Redensart passender: „Karma is a bitch!“)



Wenn schon Verachtung, dann gleich maximal.

Der alte weiße Mann, anmaßend, kriminell und misogyn, von Verachtung für alle Opponenten überquellend, außerdem ein Religions-Heuchler, neuerdings in der Kontroverse mit einem Einwandererkind aus einer Akademikerfamilie, einer wesentlich jüngeren und klugen Frau, die in der Strafverfolgung erfahren ist. (O-Ton Harris: „I know Trump's type.“) Sowas kann man nicht erfinden.

Ich war vom ersten Auftritt Trumps nach dem Mordversuch, war von der Inszenierung und von seiner Rede beeindruckt. (Das meine ich nicht zynisch!) Ganz großes Kino. Ich fand bemerkenswert, welche Töne er da anschlug und daß er betonte, er wolle das Land vereinen.

Inzwischen habe ich mir verschiedene amerikanische Debatten angehört, deren Essenz lautet: Wenn Trump das Land einen möchte, dann meint er damit, es hinter sich zu versammeln und zu vereinen.



Es wäre interessant zu erfahren, WAS Trump unter Intelligenz versteht.

In der jungen Konfrontation mit Kamala Harris kamen auch seine Natur und das ganze Ausmaß seiner Frauenverachtung sofort wieder zum Vorschein. Er beschimpft seine Konkurrenz anmaßend und respektlos, streut außerdem gleich wieder aus, daß alles Anderslautende „Fake News“ seien etc.

Was blüht der Welt, sollte Trump in dieser Wahl einer eloquenten und smarten jüngeren Frau unterliegen? Ich vermute, das liefe auf eine Art der narzißtischen Kränkung hinaus, die dem Mann entweder alle Sicherungen haut oder ihn bewegt, einen Bürgerkrieg anzuzetteln. (Welches Reaktions-Szenario wäre sonst noch vorstellbar?)



Den am Boden liegenden treten als staatsmännische Tugend? (Quelle: ORF).

Ich fand in den aktuellen Debatten einen Punkt besonders interessant. Der Schwarze Publizist Van Jones gab zu bedenken, daß Trump etwas erleben könnte, was er noch nicht kennt, wenn er öffentlich und ausdauernd eine hochrangige schwarze Frau beleidigt. Jones meinte, das könne bei weiten Kreisen schwarzer Männer im Land die Reaktion „Protect the sister!“ auslösen und Trump in große Probleme bringen.

In einer anderen Debatte hörte ich diese Überlegung: Wie viele Frauen haben es schon erlebt, daß mittelmäßige weiße Männer ihnen sagen: „Du hast es nicht verdient“. Auch wenn allerhand abenteuerlich exponierte „Trumpettes“ für Trump trommeln, bleibt es eine offene Frage, wohin die wahlberechtigten Frauen der USA dann mehrheitlich tendieren werden. (Sie sind ja insgesamt mehr als wahlberechtigte Männer.) Ich hab eine große Packung Popcorn heimgetragen...

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