16. April 2012

Ich mag Stadtränder überaus. Diese Mischung aus alten Häusern und neuen Betriebsstätten, zwischen den einst ruhigen Plätzen im Grünen, die mittlerweile von lauten Orten der Wirtschaft umfaßt wurden. Wochenends sehr stille Gäßchen. Leere Flächen.

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Das aktuelle Atelier von Markus Wilfling ist etwas entlegen. Ich habe ein Faible für all das wunderbare Werkzeug, mit dem mir nichts gelingen würde, weil mir derlei Geschick vollkommen fehlt. Vielleicht eine Mutmaßung, nimmt Wilfling an, denn manche würde sich das eben nicht zutrauen. Reine Empirie, halte ich dagegen, ich hab mich an diesen Dingen erprobt. Ohne ermutigende Ergebnisse.

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Kappsägen, Stichsägen, Bohrmaschinen, Aluminiumprofile, Klemmen, Klammern, Haltevorrichtungen aller Art, scharfe und stumpfe Metalle... es ist für mich Magie, wenn es jemandem gelingt, spröden Materialien wie Stahl oder Stein etwas Präzises abzuringen. Das Pendeln der Geister zwischen Handwerk und Ingenieurstum war während des 17., 18. und 19. Jahrhunderts von einschüchternder Konsequenz, um uns im 20. Jahrhundert mit Folgen zu erreichen, die längst unsere Vorstellungs- und Auffassungsgaben übersteigen.

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Auf dem Rückweg entdeckte ich ein weiteres Steyr "Waffenrad", das Echo altösterreichischer Industriegeschichte. Ich hab nebenan knapp skizziert, was es mit diesem Fahrzeugtyp auf sich hat: [link] Als ich dieses Exemplar zu fotografieren begann, drang von der anderen Straßenseite eine Stimme zu mir durch, die ich erst nicht mit mir in Zusammenhang brachte.

Der Fahrradbesitzer lehnte hoch über mir auf einer Fensterbank, bedeutet mir, daß ich ein Idiot sei und beschimpfte mich ausdauernd. Er konnte sich anscheinend nichts Manierliches vorstellen, das mich bewegte, sein Fahrrad genauer zu betrachten.

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Das Kuriose an dieser kleinen Episode: Den Abend davor hatte mein Vortrag zur Kulturgeschichte des Fahrens mit einem Blatt geendet, auf dem eben diese Fahrrad-Art gezeigt wird, die ursprünglich eine Lizenz-Version der damals legendären Swift-Fahrräder aus Coventry gewesen ist.

Coventry war im Zuge der industriellen Revolution zu einem Industriestandort von Weltrang geworden. Ein Umstand, der seiner Bevölkerung im Zweiten Weltkrieg ein entsetzliches Bombardement eingebracht hatte. Wir haben bei unserer Session [link] des Kuratoriums für triviale Mythen allerdings die schweren Themen gemieden und uns auf amüsante Aspekte konzentriert.

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Hier links der zweite Vortragende, Mario Zwetti, rechts von ihm Musikveteran Jimmy Cogan, der zum Thema "Triviale Mythen" an diesem Abend auch etwas beigetragen hat. So loten wir unsere kulturellen Optionen in der region zwischen Gegenwartskunst, Alltagskultur und trivialen Stoffen weiter aus.

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