4. August 2009

Auf zwei Feldern, die nach Ordnungprinzipien verlangen, will für mich das Ringen nicht enden. Meine Bibliothek und meine Buchhaltung. In einer Sache helfen mir meist kleine Briefe vom zuständigen Finanzamt auf dir Sprünge.

log1435a.jpg (20761 Byte)

Ist meine Buchhaltung auf Stand, sind es meine Bücher keineswegs. Je nach den Themenschwerpunkten, die mich gerade beschäftigen, bilden sich Nester im Haus. Zukäufe tun ein Übriges, um die alte Ordnung zu korrumpieren.

Zur Zeit bin ich (vorerst erfolglos) auf der Suche nach einem Buch, das da sein müßte, aber nicht da ist. So läutet sich meist ein Stück Bibliotheksarbeit ein. Beim Finanzamt wird es leichter sein, da brauche ich bloß zu zahlen. Apropos!

log1435b.jpg (11094 Byte)

Diese Headline ist schon gut abgehangen.(Quelle: "Der Standard") Dem steht eine Erhebung gegenüber, die uns Kunstschaffenden eine äußerst prekäre Lebenssituation attestiert. Siehe: "Zur sozialen Lage der Künstler und Künstlerinnen in Österreich" [link]

Zur Eröffnung der Salzburger Festspiele waren vom Bundespräsidenten abwärts allerhand vollmundige Statements zum Thema Kunst zu hören, kaum verbergend, daß sich hier die Eliten ihre teure Repräsentations-Party schönreden lassen. Denn was immer diese parfümierten Zusammenrottungen sein sollen, mit den Implikationen von Kunst, die mir heute zu denken geben, hat das alles gar nichts zu tun.

Schriftstellerin Marlene Streeruwitz kommentierte das in einem aktuellen Interview so: "Hochkultur ist eine Selbsthilfegruppe der Eliten". (Bingo!) Nachdem damals, zur Eröffnung der Festspiele, in der "Kleinen Zeitung" groß kolportiert worden war, daß laut Ministerin Claudia Schmied die Kunst an der Macht zu rütteln habe, war ich neugierig, wie sie das präzisieren würde.

Leider ist beim aktuellen Gespräch (Quelle: Der Standard) in der Sache bloß bildungsbürgerliches Geschwätz herausgekommen. "Aufrütteln"? Das wäre für mich ungefähr die letzte Konnotation von "an der Macht zu rütteln".

log1435c.jpg (20688 Byte)

Sie "spürt" eine latente Gefahr. Es bleibt also deprimierend, wie die für Kunst zuständige Ministerin dem Metier gegenüber steht. Da wird nichts Essenzielles erwartet werden dürfen. (Siehe zu all dem auch "next code: log #133"!)

Um es kurz auf den Punkt zu bringen: "aufrütteln" ist keine relevante Kategorie der Gegenwartskunst. Diese Vorstellung ist der völlig veralteten Idee gewidmet, Kunst habe "erbaulich" zu sein, möge vielleicht (im hier angeschnittenen Kontext) "Mächtige" zum Nachdenken bringen; oder was immer sich Frau Minister unter "aufrütteln" vorstellt. Quatsch! Das Kunstfeld ist dem der Politik benachbart, dem der Wissenshaft, des Journalismus etc. Es ist (unter anderem) ein Teilterrain der "Deutungshoheit". Es kann also in der Sache nur um Augenhöhe gehen und nicht darum, einander gesittet etwas zuzurufen. Dann aber geht es ... umd die Kunst!

kup.gif (410 Byte)


[kontakt] [reset] [krusche]

32•09