4. Februar 2005

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Gut. Ja. Sein Auto auszugraben ist etwas anderes, als Winterurlaub zu machen. Aber! Diese eigentümliche Kälte und Gedämpftheit, wenn es in schweren Flocken schneit, wie man sich in der körperlichen Anstrengung erhitzt, zum herrschenden Klima in Kontrast kommt, während alles um einen herum langsamer vor sich geht, weil die Menschen sich vorsichtiger bewegen, auch, daß ich aus dem Stand umfalle, während ich mit meinem Nachbarn, dem wortkargen Rumänen, einige Worte wechsle, irgend eine kleine Bewegung, die mir auf dem glatten Boden die Füße weggerissen hat, das alles erzeugt einen leisen Hall, hat etwas, das ganz intensiv in meine Kindertage reicht, heran, an vergnügte Momente im Schnee ... [Uff! Kürzere Sätze! Ich weiß.]

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Grenzfurthner. Der Monochromist. Hat im Schuppen seines Großvaters die uralte Verpackung einer Motorsäge gefunden. Darauf vier bemerkenswerte Abbildungen. Hat diese Bilder ins Web gehängt und meint: Schreibts mir doch die Geschichte zu diesen Bildern. Geht schon los ... [LINK]

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Ich hab gestern von diesem Klangabenteuer erzählt, Lyrik aus allen Teilen Europas im Original zu hören. Und diese Kontraste zu bestaunen. Dann habe ich mich gefragt, wie es wohl käme, daß einem diese Sprache wohlklingend erscheinen würde, jene indifferent, da aber eine um die andere sei, die einem häßlich vorkäme. Wie geht eigentlich Geschmacksbildung vor sich? Was kann man sich unter "ästhetischer Erfahrung" vorstellen? Was wirkt noch auf jemanden ein?

Wir sind hier in der Steiermark während des Kalten Krieges definitiv gegen den Klang der slawischen Sprachen geimpft worden. Auf eine Art, daß ich selber das Slowenische und das Kroatische, auch das Russische als "häßlich" empfunden hab. Später ist mir zweierlei aufgefallen. Zum einen standen genau diese Befunde in Unterhaltungsromanen und anderen Machwerken vom Beginn des 20. Jahrhunderts. Rudolf Hans Bartsch und andere hatten diese Stereotypen von den "häßlichen Slawen" gründlich bedient und eingesetzt. Zum anderen war für mich zuerst das Russische voller Überraschungen, vielfältiger Varianten und mancher Eleganz, als ich begonnen hatte, genauer hinzuhören.

Heute fiel mir ein, daß meine Mutter in meinen Kinder- und Jugendtagen gerne zu erwähnen pflegte, sie hätte "die Russen" nicht lesen wollen, weil da so viele Namen vorkämen, was verwirrend sei. Nun ist es naturgemäß, daß in einem Roman von zweitausend Seiten doch eher viele Menschen vorkommen. Da hätte es also genügt, zu sagen, man würde lieber keine Romane von zweitausend Seiten lesen, weil einen dieser weite Horizont überfordere. Was mit "den Russen" gerade so viel zu tun hat, als es da manche Autoren zu ziemlich üppigen Romanen gebracht haben.

Daß die Personen "von Stand" darin nicht bloß Vor- und Nachnamen tragen, sondern auch den "Vatersnamen" sehr betonen, eine Anna Michailowna ist sehr wahrscheinlich die Tochter eines Michail, ist ja vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig, doch es sollte zu bewältigen sein. Aber da winken wir leichter ab, naja, "die Russen" ... so entfalten sich schon im fast Unerheblichen Abschätzigkeiten. Die, wenn man sie gut nährt, zu strammen Vorurteilen heranwachsen können.

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Die Russen. Sagt man so dahin. Und deren Namen. Bei Tolstoj bin ich auf einen hinreißenden Namen gestoßen, der für mich zu den seltsamsten gehört, die ich je gelesen habe:

Feoktist

Das ist der Küchenchef des "Englischen Clubs" in Moskau, wo nach der großen Schlacht bei Austerlitz, die Napoleon als Sieger verließ, ein Diner vorbereitet wird. Graf Rostow sagt:

"Vergiß nur ja nicht, Hahnenkämme an die Schildkrötensuppe zu tun, du weißt doch!"

Huh! Das möchte ich lieber nicht wissen ...

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