20. Mai 2007

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Hartes Gegenlicht in Liechtenstein. Für Momente. Ein Schuppen hinter dem Bahnhof von Schaan-Vaduz. Das besagt: Schaan ist ein Vorort von Vaduz. Über einen Fußweg von etwa drei Kilometern erreicht man die Hauptstadt.

Hier ist also ein Stück jener "Strecke", die zu markieren war, genauer: für "next code: in between". Ein kleiner Abschnitt in dieser Monarchie, die als einzige von jenem Rheinbund übrig geblieben war, den Napoleon forciert hatte, um das "Heilige römische Reich deutscher Nation" unter Druck zu bringen.

Mit der Eisenbahn quer durch Österreich, keine Grenze war spürbar geworden, keine Kontrolle erfolgt, dann also plötzlich Liechtenstein. Mir fiel auf, daß mir nichts auffiel. Wer meint, es müsse etwas Glamouröses sichtbar werden, ist den Bildern von Monaco aufgesessen, die nichts mit dem zu tun haben, was man dort zwischen den Bergen erblickt.

Ressentiments sitzen einem eben stets gefällig im Nacken. Im dörflichen Milieu am Rande des Ortes, eine Kuh vor dem Haus, aber keine Butter auf dem Tisch, fallen dann doch einzelne Häuser auf, deren Größe und bemerkenswerte Architektur ahnen lassen, daß hier durchaus "geldige" Leute zuhause sind.

Der Wohlstand kommt nicht von den Äckern und wohl auch kaum aus ansässiger Industrie oder anderen Betrieben, deren Betriebsstätten das Bild der Landschaft prägen würden. Deshalb vielleicht der Kontrast zwischen den eigenen Erwartungen, aus Vorurteilen gespeist, und der real vorfindbaren Topographie.

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Aber dann passierte es. Als mir der Gallardo um die Ohren fuhr, dachte ich mir noch wenig. Doch das ging so weiter. Simpler Alltag. Und was ich innerhalb von rund 25 Minuten auf der Straße zu sehen bekam, bietet bei uns zuhause höchstens ein organisierter Corso. Der Wohlstand drückt sich also vorzugsweise nicht über die Immobilien, sondern über Mobilien aus.

Naja, ein Ausschnitt. Man müßte dieses Muster im übrigen Land, Ländchen, suchen und allenfalls wiederfinden. Ansonsten erschien mir manches ein wenig eng und streng. Auch sehr vertraut, denn solche Winkel kenn ich daheim.

Es erreichte mich von zuhause eine SMS, über die mir Gleisdorfs Kulturreferent Hannes Felgitsch Grüße für die Crew ausrichtete und anmerkte: "Es war nun ein Murcielago am Hauptplatz vor der großen Baustelle geparkt ... und ich ohne Kamera."

Wie bedauerlich! Denn der Lamborghini Murcielago ist bei uns extrem rar und kaum zu erwischen, während die Gallardos öfter vorkommen. Es rührt mich, daß die Menschen aus meiner Umgebung dem "Automobil-Paparazzo" in mir so freundlich zugewandt sind. So bekomme ich gelegentlich Nachrichten darüber, wo etwas Interessantes steht. Manchmal kann ich das dann mit der Kamera einlösen. Diesmal war die Distanz einfach zu groß.

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Apropos "geldige" Leute. Österreichs Sozialminister Erwin Buchinger meinte in einem TV-Gespräch sinngemäß, die Armutsforschung sei im Lande sehr gründlich vorangebracht worden, die Beforschung des Reichtums aber eher dürftig aufgestellt. Immerhin wußte er so viel konkret zu sagen: Zehn Prozent der vermögenden Menschen Österreichs verfügen über 50 Prozent des bestehenden Vermögens. Dabei ist von zirka 500 Milliarden (!) Euro die Rede. Richtig gelesen! Das Vermögen der vermögenden Österreicher wird auf rund tausend Milliarden Euro geschätzt. Der Großteil davon ist bloß einer Handvoll Menschen zur Verfügung.


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