9. März 2006 Als Automobil-Paparazzo bin ich gewohnt, auf
Details zu achten, die mir Beute verraten. Gestern war es eine ungewohnte Heckleuchte.
Dank derer ich einen Dodge "Durango" kriegen konnte. Den ich vorher noch nie
live gesehen hab. Wahrlich keine Schönheit. Aber eine Rarität auf dem hiesigen Terrain.
Wo man sonst bloß die auffallend riesigen Pickups dieser Marke zu sehen bekommt.
"Ram" oder "Dakota". Eigentlich LKW, die zu heiß gewaschen wurden.
Man ahnt, wie inspiriert ein Unfallchirurg sein muß, falls
einen diese Kühlerfigur mal auf dem Zebrastreifen erwischen sollte. Wir sind beide
zugleich auf das Auto zu, die Dame, deren Beruf "Straßenaufsichtsorgan" ist,
und ich. Sie kennt mich schon in dieser Neigung, manche Fahrzeuge zu fotografieren.
Dabei erfuhr ich, daß die EDV der "Parksheriffs"
fixe Vorgaben macht. Ja, sagte sie, der ist sicher selten. Den habe sie gar nicht in ihrem
Verzeichnis, da müsse sie bei der Aufnahme des Fahrzeugtyps "unbekannt"
ankreuzen. Nein, sie könne da nichts eintippen, nur ankreuzen.
Ich habe Kollegen in meiner Leidenschaft. Vorgestern
schrieb mir Bernhard Krisper aus Wien:
"Wie sind Deine Erfahrungen beim Auto-Fotografieren?
Wirst Du da manchmal angesprochen? Ist es Dir schon passiert, daß jemand Dir verbieten
wollte, sein Auto zu fotografieren? Mir ist so etwas Ähnliches in Wien mal passiert, als
ich einen alten Escort (1975) mit schwarzem Kennzeichen fotografieren wollte - der
Besitzer, ein alter Mann, protestierte aus dem Fenster des Hauses davor... er wollte nicht
"in die Zeitung" kommen :) Und auch sonst drehen sich die Leute oft fragend um,
sehen verwirrt auf das fotografierte Objekt, sehen dann wieder zu mir, schenken einen
zweifelhaften Blick, halten einen für deppert..."
Tja ... kenn ich ...
Die riesigen Pickups, die man als Forstarbeiter, als
Baustellenleiter, als Tischler vielleicht real brauchen könnte, sind im Besitz von
geschniegelten Stadtmenschen natürlich vor allem das: Macho-Maschinen zur Vergrößerung
der Silhouette. Die alte Primaten-Technik, mit der das alternde Alpha-Männchen die
nervösen Jungs auf Distanz zu halten versucht.
Bei manchen Berufsgruppe, da zählen Ärzte durchaus dazu,
findet man gelegentlich die feinere Variante dieser Pose. Die (gegenüber einem Doge
"Ram") ungleich dezentere Linie eines Porsches kontrastiert Solarienbräune des
Fahrers. Mein Arzt verzichtet auf solche Silhouetten- und Solarienarbeit, lacht mir
gelegentlich aus einem Kombi entgegen und hat so manche zartbitter gesetzte Attacke auf
den Machismo alternder Männchen parat. So schrieb er mir gestern aus gegebenem Anlaß:
"... gemeinhin eilt den Künstlern ja der Ruf einer
gewissen Nachtaktivität voraus, die den deutlich verzögerten Tagesanbruch mit sich
bringt. Nicht zu verwechseln übrigens mit der Tag-Nacht Umkehr bei den senil
Bettflüchtigen. Oftmals leicht daran zu erkennen, dass jene nach dem Gang aufs Klo
vergessen, die Hose zuzumachen. Wiederum im Gegensatz zu den echten Alzheimerleuten, die
vergessen, sie aufzumachen ... see you! georg"
Kommentar? Kein Kommentar!
Cut!
Ich hab schon so allerhand in Kauf genommen, um an dieses
oder jenes LKW-Modell für meine Sammlung zu kommen. Zwei Tuben Zahnpasta, ein bauchiges
Limonadenglas, eine Flasche Kräuterlikör, eine 5 Liter-Flasche fades Bier ... diesmal
waren es 7 Päckchen Kaugummi, die mir einen mäßig gearbeiteten, aber eben gut in meine
Sammlung passenden Sattelschlepper einbrachten. Das sind also Tage der schweren Fahrzeuge
...
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