5. Oktober 2004

Hubsi Kramar ist kein Künstler, der zur Gefälligkeit neigt. Uns für manchen Spaß zu haben. Als wir vor Jahren der völkischen FPÖ, die eine "Bürgerwehr" aufgestellt hat, eine Miliz entgegen schickten, war er uns als leitender Offizier gefällig: "Transportieren Sie Drogen?"

Und was macht er jetzt gerade? Als ein praktisches Beispiel "taoistischer Regie"? Schickt Obdachlose und Langzeitarbeitslose auf Urlaub. Kramar:
"Von Staats wegen ist das nicht gern gesehen. Wer nix arbeitet, soll nix haben. Wer nichts hat, ist ein Sozialschmarotzer und gehört bestraft. Aber sicherlich soll er keinen URLAUB machen."

Tja. Darüber gibt es demnächst einen Film:
"Die Mitwirkenden haben sich bereit erklärt, in Rovinj (Istrien) im Hochsommer vor einer echten Tourismuskulisse – blauer Himmel, blaues Meer – einmal so richtig Urlauber / Touristen zu spielen."

Details auf der Kramar-Website.

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Cut!

Die Türkei. Europa. Der selige Kaiser und das Haus Habsburg. Der Islam, von dem wir uns provoziert fühlen. Furchtbare Terrorakte. Flüchtlingswellen. Der Bischof von Rom und der Bischof aus St. Pölten. Konservative und was es sonst noch gibt.

Eine ebenso verwirrende wie unglaublich interessante Zeit. In der uns politisches Personal Legenden vorbringt, daß sich die Balken biegen.

Auf Pressefotos von der Seligsprechung unseres letzten Kaisers sah ich Uniformierte, deren Aufmachung man bei uns landläufig mit HUSAREN assoziiert. Das kennt man meist nur von Operettenbühnen. Aber manchmal läuft sowas auch durch die Straßen. Traditionsverbände, die versunkener Glorie nachhängen, stoßen ins gleiche Horn, wie mancher hohe Kleriker, der von einstiger Größe schwärmt.

Gut. Fein. Nett. Derlei Husaren und ähnliche Lakaien des Kaisers waren ja bevorzugte Existenzen. Solange es nicht ins Feld ging, hatten sie ein passables Leben. Diese Blödheit kann einen heute schon ärgern. Daß an solchen Zuständen Maß genommen wird. Am bevorzugten Personal in Glanz und Glorie jener Eliten, die ihre Völker den Preis dafür zahlen ließen.

Was immer man dem seligen Sanitäter Karl I. Gutes nachsagen könnte, er hat es aus einer höchst bevorzugten Position hergeleitet. In der man sicher nicht daran dachte, die genossenen Vorteile unendlicher sozialer Distanz vom Rest des Volkes aufzugeben.

Gegen all das, was man heute als Grundausstattung einer auf verbriefte Menschenrechte gestellten Nation voraussetzt. Geht mir also vom Teppich mit dieser Art Konservativer und ihrer Traditionsverbände, die sich, mit Husarenuniform oder ohne, wichtig machen. Die Debatte steht längst wo anders. Die Latte liegt längst wo anders.

Bloß. Was muß man sich denn unter "Konservativen" vorstellen? Welche Art des Erhaltens welcher Zustände ist das Thema von Konservativen?

Nehmen wir mal an, eine Partei wünscht alles Vorteilhafte der Vergangenheit zu erhalten, ohne deren Nachteile mitzuschleppen. Nehmen wir weiters an, eine andere Partei wünscht alles Vorteilhafte einer Zukunft zu lukrieren, möchte aber daraus keine Nachteile beziehen. Da hamma schon das Schlamassel. Weil wir uns mit solchen Annahmen völlig im Reich der Phantasie befinden.

Oder kennt hier jemand auch nur ein Beispiel menschlicher Gemeinschaft, in dem sich alle Vorteile verdichten und alle Nachteile ausscheiden ließen? Eben. Auf dem Boden menschlicher Realitäten sind das völlig trübe Vorstellungen. Es ist natürlich leichter, mit solchen Phantasmen zu spielen, statt sich immer wieder der Debatte zu stellen: welche Vorteile möchte ich nicht nur für mich erringen, sondern der Basis einer ganzen Gesellschaft gesichert sehn? Aaaaah ... DAS finde ich interessant.


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