2012)
Sie kennen sowas vielleicht. Erst verschwand die Wiese unter meinem Schlafzimmer, wich
einem großen Parkplatz. Wenige Meter weiter wurde ein altes Kloster zu einem
Veranstaltungszentrum umgebaut. Später hat man nebenan das Rüsthaus abgerissen und das
neue Service-Center gebaut.
Derzeit entsteht, wiederum unter meinem Schlafzimmer, jenseits des genannten
Parkplatzes eine große Anlage für das Generationenwohnen". Zwischendurch
wurde hinter dem Service-Center das Haus der Musik" gebaut.
Seit über einem Jahrzehnt werden mir also nun Lebensabschnitte mit Baulärm,
tageweisem Maschinenbrummen und einem Anschwellen des Autoverkehrs dekoriert. Eine
praktische Erfahrung des Ringens um eine Balance zwischen Eigennutz und Gemeinwohl.
Die Stadt ist ein Ort reicher Annehmlichkeiten, gerade das Stadtzentrum mit großem
Komfort ausgestattet. Doch wenn ich es gerne ganz ruhig hätte, müßte ich mir ein
entlegenes Häuschen leisten, das mir andrerseits für jede Besorgung erhebliche
Wegstrecken aufbürdet.
Ähnlich ist es auf kollektiver Ebene. Wir genießen Güter und Wohltaten, deren
Erzeugung vielleicht enorme Betriebsanalgen erfordert, die niemand von uns vor der
Haustür haben möchte. Der Überfluß, in dem wir leben, generiert einschüchternd große
Abfallberge und erheblichen Sondermüll. Der soll sich bitte wo anders stapeln.
Wir sind in unserer sozialen Verantwortung etwas bequem geworden. Viele Menschen
reagieren auf Problemlagen überhaupt erst, wenn sie persönlich betroffen sind. Und
außerdem sind meist die anderen Schuld, da ganz speziell die Geschäftsleute, die eben
ihre Geschäfte verfolgen.
Dann wäre da aber noch was. Jeden Tag, wenn wir unsere Geldtaschen aufmachen, ist
Volksabstimmung. Der Lauf der Dinge wird davon mitbestimmt, in welches Geschäft ich mein
Geld trage.